Wie vielleicht einigen bekannt ist, befinde ich mich mittlerweile auch im Besitz einer Spiegelreflex-Kamera, dem letzten Puzzle-Stück - neben den weißen Tennissocken, den hellbraunen Shorts, den Sandalen, dem Angler-Hut und dem wasserfesten Brustbeutel - was mir noch fehlte, um mein Touristen-Outfit zu vervollkommnen. Naja, und nebenbei kann man damit auch ganz gut Fotos machen.
Und genau aus diesem Grund, bin ich einfach mal losgezogen, um ein paar Fotos zu machen.
Raus in die Natur, die Kreativität ausleben, atemberaubende Momente für immer in ein Bild bannen... hieß es auf einer Internetseite, die Werbung für arschteure DSLR-Kameras machte.
Aber da es sich bei der Bullenhitze drinnen sowieso nicht aushalten lässt... was soll's. Mehr als überschüssiges Fett habe ich ja nicht zu verlieren.
Gesagt, getan. Also ab ins Auto und ein bisschen durch Stadt und Land gurken, auf der Suche nach Inspiration.
Zuerst geht es in die Nähe eines Wohngebiets, mit ein paar schönen Wegen, die noch schöner von dem, durch die Bäume zerstreuten, Sonnenlicht beleuchtet werden.
Ich habe ungefähr ein halbes Bild gemacht, als sich mir eine weibliche Person gehobenen Alters nähert.
"Darf ich fragen, warum Sie hier fotografieren?"
- "Ja, das dürfen Sie tatsächlich."
"...?!?"
- "Ich finde die Gegend schön und wollte einfach mal was fotografieren."
"Ach so, ich dachte, Sie sind vielleicht von der Zeitung."
- "Nein, ich bin n..."
"Weil, wenn Sie von der Zeitung wären, müssten Sie mal hier die Hecken fotografieren. Da waren Leute... die haben die einfach kaputt gemacht."
- "Nein, tatsächlich?! Einfach so? Ich bin trotzdem nicht von der Zeitung."
"Sind sie nicht von der Zeitung? Ich dachte erst, Sie sind von der Zeitung."
- "Nein, ich bin privat hier."
"Ach so. Schönen Abend."
Wenn also irgendwer hier von der Zeitung ist: Ich gebe euch die Adresse, dann könnt ihr das Unheil mit eigenen Augen sehen und darüber berichten. Da hat doch tatsächlich so ein Halunke ein paar Zweige einer Hecke verbogen und diese damit vollständig entstellt. Wenn es nicht das ist, was die Welt bewegt, dann weiß ich es nicht!
Weiter geht's an einen See. Und wenn ich irgendwann mal ein bekannter und geschätzter Fotograf sein sollte, dann ist es einzig und allein einer Begegnung an eben diesem See zu verdanken.
Die Sonne nähert sich dem Horizont und wird ein wenig im Wasser reflektiert, als ich mich zum Schuss bereit mache. Im goldenen Schnitt meines Bildes die Wasseroberfläche und die Sonne im oberen Drittel. Eine Komposition, so perfekt, dass mir Tränen in die Augen schießen.
In diesem Moment ereilt mich ein Ruf aus gar nicht mal ganz so weiter Ferne.
"Ey, man fotografiert nicht gegen's Licht!"
Was bin ich dieser Person dankbar. Kurz davor, den Fehler meines Lebens zu begehen, stand dieser Typ, mit seiner 20-Pixel-Handy-Kamera ["Pixel! Nicht Mega-Pixel" - die Red.] und seinem Fotografie-Wissen aus Büchern des Data-Becker-Verlags, mir helfend zur Seite.
Als ich die Sonne aus dem Augenwinkel verschwinden sah, blickte ich abermals in sein Gesicht. Er lächelt, als wisse er, die Welt an diesem Abend wieder mal ein bisschen besser gemacht zu haben.
Und was mich betraf, wich ich auf ein Zitat eines bekannten deutschen Künstlers aus: "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten."
Ich mein' ja nur...
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