Freitag, 13. März 2015

Wie du beim Ausgehen mit Bar-Gästen umgehen solltest aka. "The Art of Trinkgeld"

Heute wende ich mich mal an all das Service-Personal in Clubs, Bars, Restaurants und weiteren sowie an die, die deren Service in Anspruch nehmen.

Vor ein paar Tagen ist ein Beitrag zu diesem Thema im Netz erschienen, dass momentan gerne in den sozialen Medien geteilt wird. Den kompletten Beitrag gibt es hier.
Die Autorin ist dabei eine junge Kellnerin, die ihren Missmut über den Kontakt mit Gästen kundtut ["was eine Einstiegs-Qualifikation für diesen Beruf!" - die Red.] und ein paar Regeln aufstellt, wie der Gast die Servicekraft zu behandeln habe - oder, wie die Autorin selbst sagen würde: "verdammt nochmal zu behandelt hat".

Für die unter euch, denen das Lesen meines Beitrages dazu eigentlich schon zu viel ist, hier kurz die wichtigsten der genannten Regeln im Überblick:


  1. Hör mit den beschissenen Bestellsprüchen auf
  2. Hör auf zu denken, dass wir deine Gedanken lesen können
  3. Gib uns verdammt nochmal Trinkgeld
  4. Frag uns nicht, was denn das beste Getränk wäre
  5. ...
Und um an dieser Stelle zu zeigen, dass mein Beitrag nicht auf das Bashing der Autorin abzielt (naja, nicht nur), möchte ich sagen, dass ich einen Teil der "Regeln" gut nachvollziehen kann. Von rotzbesoffenen Leuten vollgesülzt zu werden, 100 Mal am Abend denselben Spruch zu hören und angepackt zu werden ist bestimmt ziemlich Scheiße. Aber nun ja... Berufsrisiko! ;-)

Und jetzt wo die Förmlichkeit und das gespielte Verständnis vom Tisch sind, gucken wir doch mal, liebe Autorin, was wir in deinem Text noch so finden. Der folgende Text richtet sich übrigens nicht an die Autorin des Textes im speziellen, sondern an alle, die eine solche Einstellung haben. Ja, davon gibt es mehrere. 

Herrlich aufregen kann sich beispielsweise jeder Gast über Regel 3. Nicht so sehr über die Tatsache, dass Trinkgeld durchaus zum guten Ton gehört und oftmals völlig zu recht gewährt wird, sondern eher über die Einstellung der Autorin zu diesem Thema.

How to: Trinkgeld ...nicht!

Da dieser Blog nicht zuletzt auch auf die Bildung seiner Leser bedacht ist, eine kurze Einführung ins Thema "Trinkgeld". Der Begriff ist bereits einige hundert Jahre alt und bezeichnet genau das, was das Wort verspricht: Dienstleister, Boten, Handwerker, etc. wurden schon damals für Ihre Dienste oftmals mit einem kleinen Obolus zusätzlich entlohnt. Das Trinkgeld hatte damals den Sinn, Dienstleistungen (beispielsweise von Notaren) zu seinen Gunsten ausfallen zu lassen (der Fachidiot spricht hier von Korruption). Der Geber des Trinkgeldes hatte zudem die Chance (und meist auch die Absicht), anderen Leuten seinen Wohlstand reinzureiben. Das Geld wurde vom Empfänger dann meistens versoffen (und heute ist es der Besoffene, der Trinkgeld gibt... verrückte Welt...). 
In vielen Ländern ist auch heute noch Trinkgeld üblich, dessen Höhe dann meist zwischen 10 und 20% des Rechnungsbetrages liegt (zumindest in der Gastronomie).

An dieser Stelle mag der geneigte Leser sich fragen: "Aber wann gebe ich denn Trinkgeld? Nur nach Sonnenuntergang? An hohen Feiertagen? Etwa IMMER?!?".

Nun, darauf hat die Autorin eine überaus einfache Antwort - Zitat: "Solange der Kellner nicht vor deinen Augen in dein Getränk spuckt, hast du Trinkgeld zu geben."
Und da man auch nach Cola-Korn bis zum Verlust der Muttersprache meistens noch in der Lage ist zu erkennen, ob der Kellner vor den eigenen Augen ins Getränk spuckt, ist diese Regel überaus einfach und praktikabel. Leider aber auch völliger Quatsch. Und sowieso... in einer Bar ist doch sowieso alles voller Getränke. Wozu braucht man da Trinkgeld? ;-)

Trinkgeld ist meiner unmaßgeblichen Meinung nach, eine Ehrerbietung vor dem Service, den man erhalten hat. Ist man mit dem Service zufrieden oder hat wenigstens nichts zu meckern, gibt man Trinkgeld. Je zufriedener man ist, desto mehr. Anders rum genauso, mit dem kleinen Haken, dass man nicht ohne Weiteres Geld von der Rechnung abziehen darf. ;-) Was ich damit sagen will, Trinkgeld ist nicht selbstverständlich. Vor allem nicht in China. Da ist es weitgehend eine Beleidigung. Aber genug davon. Wer sich durch die Schenkung von Geld beleidigt fühlt, hat andere Probleme.

Aber wer Leute schon als "Arschloch" bezeichnet, dafür, dass sie zu wenig Trinkgeld geben... ich weiß ja nicht. Vielleicht ist der Beitrag auch sarkastisch gemeint. Aber wenn dem so ist, hätte die Autorin selbst für mich das Sarkasmus-Schild hochhalten müssen.

Ist es kein Sarkasmus, ist es einfach nur total klischeehaft. Das erinnert mich immer an die Tochter eines wohlhabendes Bänkers, die in einer Villa im deutschen Beverly Hills residierte und selbst das Kindermädchen angeschrien hat, weil sie mit 4 Jahren noch keinen Champagner trinken durfte und eine Abneigung gegen das "Prekariat" hat trifft auf die richtige Welt. Boom! Finanzkrise! Papa pleite! Töchterchen muss ein neues Wort lernen: "arbeiten". Und was wird man, wenn man Menschen nicht mag, das einzige was man selbstständig managed zugleich zentimeterdick mit einer Maurerkelle auf's Gesicht geschmiert ist und man so gar keine Lust hat für Geld auch noch arbeiten zu müssen? Richtig! Man wird Kellnerin. 
Und da ich mir völlig sicher bin, dass es genau zu dieser Story schon mehrere Teenie-Filme gibt, verzichte ich an dieser Stelle darauf, daraus ein Drehbuch zu schreiben.

Ich meine, ich könnte glaube ich nicht nach 10 Stunden arbeiten, spät nachts, wenn ich immer dieselben blöden Sprüche verkappter Komiker hören müsste, noch freundlich sein und meine Arbeit gut machen. Der einfache Grund, warum ich kein Kellner bin (zusammen mit der Tatsache, dass ich es kaum mit einem Tablett aus dem Selbstbedienungsrestaurant, das nur einen einzigen halb-vollen Becher Kaffee trägt, zum Tisch schaffe, ohne das meine Krankenkassen-Beiträge steigen). Aber es gibt Menschen, die das können und die verdienen Respekt. Und Trinkgeld.

Wenn du, werte Autorin, eigentlich eine solche Person bist und es im Internet nur nicht ganz so gut ausdrücken kannst, bitte ich um Verzeihung. Wenn nicht, bedenke, dass man im Mittelalter auch dem Henker Trinkgeld gab, damit er einen nicht so lange leiden ließ.

Ich mein' ja nur...

Montag, 5. Januar 2015

In Ruhe ein paar Bilder machen? Bitch, please...

Wie vielleicht einigen bekannt ist, befinde ich mich mittlerweile auch im Besitz einer Spiegelreflex-Kamera, dem letzten Puzzle-Stück - neben den weißen Tennissocken, den hellbraunen Shorts, den Sandalen, dem Angler-Hut und dem wasserfesten Brustbeutel - was mir noch fehlte, um mein Touristen-Outfit zu vervollkommnen. Naja, und nebenbei kann man damit auch ganz gut Fotos machen.

Und genau aus diesem Grund, bin ich einfach mal losgezogen, um ein paar Fotos zu machen. 

Raus in die Natur, die Kreativität ausleben, atemberaubende Momente für immer in ein Bild bannen... hieß es auf einer Internetseite, die Werbung für arschteure DSLR-Kameras machte.

Aber da es sich bei der Bullenhitze drinnen sowieso nicht aushalten lässt... was soll's. Mehr als überschüssiges Fett habe ich ja nicht zu verlieren.

Gesagt, getan. Also ab ins Auto und ein bisschen durch Stadt und Land gurken, auf der Suche nach Inspiration.
Zuerst geht es in die Nähe eines Wohngebiets, mit ein paar schönen Wegen, die noch schöner von dem, durch die Bäume zerstreuten, Sonnenlicht beleuchtet werden.
Ich habe ungefähr ein halbes Bild gemacht, als sich mir eine weibliche Person gehobenen Alters nähert.

"Darf ich fragen, warum Sie hier fotografieren?" 
- "Ja, das dürfen Sie tatsächlich." 
"...?!?" 
- "Ich finde die Gegend schön und wollte einfach mal was fotografieren." 
"Ach so, ich dachte, Sie sind vielleicht von der Zeitung." 
- "Nein, ich bin n..." 
"Weil, wenn Sie von der Zeitung wären, müssten Sie mal hier die Hecken fotografieren. Da waren Leute... die haben die einfach kaputt gemacht." 
- "Nein, tatsächlich?! Einfach so? Ich bin trotzdem nicht von der Zeitung." 
"Sind sie nicht von der Zeitung? Ich dachte erst, Sie sind von der Zeitung." 
- "Nein, ich bin privat hier." 

"Ach so. Schönen Abend."

Wenn also irgendwer hier von der Zeitung ist: Ich gebe euch die Adresse, dann könnt ihr das Unheil mit eigenen Augen sehen und darüber berichten. Da hat doch tatsächlich so ein Halunke ein paar Zweige einer Hecke verbogen und diese damit vollständig entstellt. Wenn es nicht das ist, was die Welt bewegt, dann weiß ich es nicht!

Weiter geht's an einen See. Und wenn ich irgendwann mal ein bekannter und geschätzter Fotograf sein sollte, dann ist es einzig und allein einer Begegnung an eben diesem See zu verdanken.
Die Sonne nähert sich dem Horizont und wird ein wenig im Wasser reflektiert, als ich mich zum Schuss bereit mache. Im goldenen Schnitt meines Bildes die Wasseroberfläche und die Sonne im oberen Drittel. Eine Komposition, so perfekt, dass mir Tränen in die Augen schießen.

In diesem Moment ereilt mich ein Ruf aus gar nicht mal ganz so weiter Ferne.

"Ey, man fotografiert nicht gegen's Licht!"

Was bin ich dieser Person dankbar. Kurz davor, den Fehler meines Lebens zu begehen, stand dieser Typ, mit seiner 20-Pixel-Handy-Kamera ["Pixel! Nicht Mega-Pixel" - die Red.] und seinem Fotografie-Wissen aus Büchern des Data-Becker-Verlags, mir helfend zur Seite.

Als ich die Sonne aus dem Augenwinkel verschwinden sah, blickte ich abermals in sein Gesicht. Er lächelt, als wisse er, die Welt an diesem Abend wieder mal ein bisschen besser gemacht zu haben.

Und was mich betraf, wich ich auf ein Zitat eines bekannten deutschen Künstlers aus: "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten."

Ich mein' ja nur...